holm | 25. August 2007 10:08 | 9to5 | Permalink |

Reginé Debatty: We Make Money Not Art

Régine Debatty, Macherin des Kunstblogs we-make-money-not-art.com, sollte (und wollte wohl) erzählen, wie sie es schafft, zwischen zahlreichen Reisen ihr Blog mehrmals täglich zu aktualisieren, welches Selbstverständnis hinter ihrem Projekt steht und wie sie damit Geld verdient. (Text, Zusammenfassung: Julia Ritter)

Einführung: We make money, not art

Régine stellte zunächst ihr Blog vor, das sich in Reportagen, Rezensionen, Interviews usw. damit beschäftigt, wie Künstler Technologie einsetzen (und zwar alles vom alltäglichen technischen Gegenständen wie Mobiltelefonen bis hin zu hochmodernen Formen der Biotechnolgie), um daraus Kunst zu machen. Eben dieses Interesse hatte Régine zum Bloggen gebracht, denn Bloggen erwies sich ab einem gewissen Punkt als einfacher, als stapelweise Ergebnisse ihrer Internetrecherche auszudrucken. Da sie derzeit einen offensichtlich nicht besonders aufreibenden Job bei der EU hatte, konnte sie viel Zeit mit der Recherche verbringen und die Früchte ihrer Arbeit in ihrem Blog vorstellen.

Bekannt wurde das Blog vor allem dadurch, dass noch viel bekanntere Blogs wie z.B. gizmodo.com auf sie verlinkten – und zwar zuerst aus einer eher überheblichen Haltung heraus. Nach und nach interessierten sich aber immer mehr Leser für das Nischenthema und, wie Régine sagte „sie lachten nicht mehr darüber, sondern fingen an, es ernst zu nehmen.“

1. Stufe: Geld – die Monetarisierung des Blogs

We make money not art hatte alles, was ein Blog braucht: eine Nische (New Media Art), Leser und Links. Was fehlte, war das Geld. Auftritt Nokia: Das Unternehmen war auf Régines Blog aufmerksam geworden und bat sie, einen Workshop für Nokia-Mitarbeiter zum Thema Kunst und Technologie zu halten. Einen extrem wohl dotierten Vortrag. Das motivierte Régine, ihren Angestelltenjob zu kündigen und stattdessen Vollzeit zu Bloggen. Sie vermietete Platz auf ihrem Blog für Bannerwerbung und Google Adsense (letzteres war manchmal schwierig, weil ein Kunstblog nicht unbedingt immer idealen Kontext für Google Ads bietet). So monetarisiert, warf das Blog genug Geld ab, um Régines Miete zu bezahlen.

2. Stufe: Macht – die Bloggerin als Expertin

Zusätzlich zum finanziellen Verdienst brachte ihr die Bloggerei aber auch Aufmerksamkeit – sie wurde (völlig zu Recht) als Expertin auf ihrem Gebiet wahrgenommen und zu Ausstellungen, Events, Preisverleihungen etc. eingeladen. Mit dieser „Prominenz“ stiegen zum Teil auch die Ansprüche der Leserschaft und der Kunstwelt an das Blog, von dem viele zu glauben schienen, es sei eine Art Kunstkonzern. Künstler beschwerten sich, wenn Régine nicht über sie berichtete; sie wurde als Instanz und damit als Machtträgerin wahrgenommen. Für sie selbst stand aber nach wie vor ihr eigenes Interesse an den Themen, die sie behandelte, im Vordergrund. Das verschob sich langsam von New Media Art hin zu Bio-Art, die sich mit allen möglichen und teilweise extrem organischen Aspekten von Kunst und physischen, biologischen Körpern (-zellen, -flüssigkeiten, -teilen) beschäftigt. Viele Leser reagierten verstört auf diesen neuen Themenschwerpunkt. Und auch die Werbetreibenden wendeten sich zum Teil ab.

3. Stufe: Hybrid-Monetarisierung

Das war jedoch insofern nicht weiter schlimm, als Régine mittlerweile durch ihr Blog bekannt und anerkannt ist und auf Tagungen spricht, Ausstellungen kuratiert (oder kuriert oder wie immer das heißt) und Workshops gibt. Der Schwerpunkt der Monetarisierung hat sich damit vom klassischen Monetarisierungssystem (sprich: Anzeigen) hin zu einer Mischform entwickelt: Das Geld kommt zum einen von der Werbung auf dem Blog Geld und zum anderen von der Expertentätigkeit, für die das Blog wiederum auf sehr indirekte Weise wirbt.

Régines Selbstverständnis

Régine tut, was sie tut, weil es ihr Spaß macht und sie interessiert – das wurde im Laufe ihres Vortrags immer wieder klar. Sie könnte zum Beispiel ihre Beiträge mehr auf die „Bedürfnisse“ von Google AdSense und die Wünsche ihrer Leser maßschneidern, möchte aber nicht dauernd über Sex schreiben (der meistgeklickte Beitrag aller Zeiten betraf „Vintage Sex Posters“), sondern versucht, ihre eigenen Vorstellungen und die ihrer Leser in Einklang zu bringen.

Bloggen und Privatleben

Régines Privatleben hat sich durch das Bloggen fundamental verändert. Sie lernt viele Leute über deren virtuelle Präsenz (vor allem auf Flickr und in Blogs) kennen, ihr ganzes Leben ist extrem blogzentriert. Manche Türen, sagt sie, haben sich dadurch für sie geschlossen – Zitat Régine: „Ich mag meine Eltern, aber sie haben leider kein DSL.“

Im kurzen Interview mit Holm zum Ende des Vortrags sagte Régine, sie hätte gerne einen Assistenten, der ihre Reisen organisiert, sie finde das ganze Drumherum manchmal etwas viel und sie suche dringend einen Steuerberater, der versteht, was zum Teufel sie eigentlich macht. Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen.


4 Responses to “Reginé Debatty: We Make Money Not Art”

  1. Abgesurft: Darf man das (auch) kitschig finden? » Paperholic Says:

    […] (1) Julia Ritters Zusammenfassung der Erzählung von Régine Debatty, Macherin des Kunstblogs we-make-money-not-art.com, wie sie es schafft, zwischen zahlreichen Reisen ihr Blog mehrmals täglich zu aktualisieren usw. Folgend die Zwischentitel des Textes als Anreiz zur Lektüre des Gesamteintrags: […]

  2. Wir NANNTEN es Arbeit « mon petit web - chindogu Says:

    […] ** nette Podcast Nachlese - Ein Punkt auf meiner Liste der Favoriten  Reginé Debatty: We Make Money Not Art . […]

  3. 9to5-Festival-Camp Tag 2 und 3 « ritter-blog Says:

    […] Zusammenfassung dieses auf Englisch gehaltenen Vortrags hat meine liebe Schwester Julia Ritter hier geliefert. Was mir an Régine und ihrer Arbeit vor allem gefallen und imponiert hat: Sie macht das, […]

  4. Verdienstplus » Blog Archiv » Re: Verdienst-Abstimmung - Gehaltsschere auf dem IT-Arbeitsmarkt öf… Says:

    […] > Das macht die Wettbewerbsfähigkeit in D kaputt! Komischerweise redet > hier niemals jemand von Reformen … Von Reformen wird diesbez. (in beiden Punkten) ja genug gefaselt. Einerseits die […]

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